Kosmische Landschaften, erstarrte Träume

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Das All, durch kosmische Trips der Menschheit etwas näher gebracht, bleibt dennoch eine Spielwiese für Fantasien und Träume, für Utopien und futuristische Abenteuer. Die Faszination der Unendlichkeit von Galaxien und Milchstraßen und Sonnensystemen hat, seitdem die Kosmonauten und Lunauten der beiden Supermächte ferne Umlaufbahnen erreichen, eher noch zu- als abgenommen. Die Science-Fiction-Literatur hat nach wie vor Hochkonjunktur, die Filmindustrie schlägt Brücken in das Jenseits der normalen Vorstellungswelt - und die Malerei entdeckt für sich die Magie des kosmischen Mysteriums

Einer der Künstler, der sich in diese All-Welt hineinträumt ist der Gelsenkirchener Günter Roth. In seinen meist großformatigen Bildern entführt er uns in Eispaläste und Regenbogen-Schlösser, in die Weite des himmlischen Blaus und in die Ferne des sonnendurchglühten Rots. Er ist ein Marco Polo des 20. Jahrhunderts, der uns in erdachte Landschaften und erstarrte Träume entführt.

Menschen spart er in seinen Originalen und Grafiken meist aus. Für sie ist - noch - kein Platz in diesem fantastischen Realismus, der sich mit irdischen Dingen nicht mehr begnügt. Roth strebt weiter - in eine Zukunftsvision, in der der Alltag nur noch als Pflicht der Ratio abgehandelt wird. Der Mensch wird aus dieser Perspektive kleiner und kleiner, bis er von der Bildfläche im Wortsinne "verschwindet". Übrig bleiben für den "Fern-Seher" Roth Gebirge und Täler, Seen und Horizonte von Landschaften, die durchaus noch eine gedankliche Anbindung an das klassische Sujet kennen.

Doch diese Rothschen Landschaften, klar, eisig kühl und in delikaten Farben gestanzt, singnalisieren gleichzeitig den Verlust an Wärme, an Innerlichkeit. Ein Hauch von Melancholie liegt über diesen Farbfeldern. Es gibt auch andere Arbeiten dieses Malers aus dem Ruhrgebiet, in denen er Symbolwerten vertraut und den geistigen Zusammenhang von Mensch und Natur assoziiert. Aber auch hier wirkt die Einsamkeit weiter. Roth erlaubt sich keine Sentimentalitäten, er bleibt ein distanzierter Beobachter menschlicher Verhaltensweisen und Träume. Er ist durchaus dem Homosapiens auf der Spur - aber er findet Parabeln und Bilder, in denen jeder auf seine Weise spazieren gehen kann. Bis ans Ende der Welt, wie sie in unseren Vorstellungen existiert.

Roths Werke schaffen Raum. Sie begnügen sich nicht mehr mit dem Ende von "Mutter Erde". Dieser Maler, längst international erfolgreich (Ausstellungen in New York, Luxemburg und Mallorca u.a.), hat sich für die Kühnheit und Schönheit des Kosmos entschieden. Hier kann er wie ein Pionier in Welten vordringen, die noch nicht durch menschliche Unzulänglichkeit und Umweltsünden geformt und verändert sind. In der geträumten Fantasie wird um das All ein Schutzwall gezogen: Roth "malt" daran mit.

Inzwischen hat sich der Deutsche auf Mallorca einen Zweitwohnsitz geschaffen, was sich schon auf seine künstlerische Palette ausgewirkt hat: das mallorquinische Ambiente fließt in seinen kühnen Farbkosmos mit ein.
Jörg Loskill,
Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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